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Kolik beim Pferd: Todesursache Nummer eins!

Eine Kolik beim Pferd bedeutet häufig Lebensgefahr!


Der Begriff Kolik ist kein feststehendes Krankheitsbild, sondern umschreibt vielmehr unterschiedlichste schmerzhafte Krankheitszustände in der Magen- und Darmgegend. Ganz lapidar könnte man Kolik daher mit Bauchweh übersetzen. Der Begriff Kolik kann vom griechischen „kolikos“ – „im Kolon (Grimmdarm) leidend“ abgeleitet werden. In der Medizin bezeichnen Koliken ganz allgemein krampfartige Schmerzzustände, die durch das krampfhafte Zusammenziehen eines Hohlorgans verursacht werden. Koliken können daher auch in diversen anderen Hohlorganen, wie beispielsweise der Harnblase oder dem Harnleiter entstehen. Hier soll es jedoch ausschließlich um die weithin verbreitete Magen- bzw. Darmkolik gehen.


Die Kolik ist beim Pferd die häufigste Störung des Verdauungstraktes und bis heute auch immer noch die häufigste Todesursache bei domestizierten Pferden.


Über 10% aller Pferde erkranken pro Jahr an einer Kolik. Statistisch gesehen ist bei 10-20% der Patienten ein operativer Eingriff erforderlich. Dieser ist nicht nur extrem kostspielig, sondern garantiert auch keineswegs das Überleben des Pferdes. Eine Kolik ist daher ein absoluter Notfall und es gilt, beim leisesten Verdacht umgehend den Tierarzt zu Rate zu ziehen. Ein möglichst frühzeitiges Eingreifen kann schwere Komplikationen und im besten Fall ein operatives Eingreifen vermeiden. Zudem entwickeln viele scheinbar genesene Pferde gerade nach operativen Eingriffen Folgeerkrankungen wie Magengeschwüre oder Hufrehe, so dass eine Operation möglichst verhindert werden sollte.


Die Ursachen für eine Kolik sind vielfältig. Der Verdauungstrakt des Pferdes weist eine Reihe anatomischer und funktioneller Besonderheiten auf, die den Pferdeorganismus und insbesondere den Magen-Darm-Trakt besonders störanfällig machen. Hinzu kommt die Unwissenheit vieler Pferdehalter um die physiologischen Zusammenhänge und deren Relevanz in der Haltung und Fütterung. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist ein Ergebnis jahrtausender andauernder Entwicklungsprozesse und ist an die Lebensumstände wildlebender Pferde angepasst. Die Domestizierung der Pferde ändert daran nichts und so gilt es sich die Abläufe im Verdauungssystem des Pferdes bewusst zu machen und das Haltungs- und Fütterungsmanagement entsprechend dahingehend anzupassen. Der Magen des Pferdes ist verhältnismäßig sehr klein und umfasst nur ca. 10% des Gesamtverdauungsvolumens. Das Pferd als ehemaliges Steppentier war den größten Teil des Tages mit der Aufnahme kleiner raufaserhaltiger Nahrungsmengen beschäftigt. Infolgedessen ist auch der kleine Magen auf die kontinuierliche Zufuhr ebenso kleiner Futtermengen (hoher Rohfaseranteil) ohne lange Fresspausen angepasst und produziert nahezu durchgehend Magensäure und andere Magensäfte. Zusätzlich fehlt dem Pferd anatomisch bedingt die Fähigkeit (beispielsweise bei Magenüberladungen, Gasansammlungen oder Vergiftungen) sich zu übergeben. Zwischen Speiseröhre und Magen findet sich ein extrem starker Schließmuskel (Kardiaschluss), der ein Rückfließen der Nahrung in die Speiseröhre praktisch unmöglich macht. Der Darm ist mit über 30 Metern Länge außerordentlich lang und kann bis zu 200 Liter Flüssigkeit fassen. In ihm finden sich zahlreiche potenziell störungsanfällige Stellen. Der Dünndarm misst ca. 20-30 Meter, das lange Dünndarmgekröse lässt ihm dabei extrem viel Bewegungsspielraum. Dieser Umstand kann recht schnell dazu führen, dass sich Darmabschnitte selbst strangulieren, umeinander winden, verknoten und invaginieren. Folge ist die gefürchtete Darmverschlingung (Illeus), die oftmals zum Absterben einzelner Darmteile führt. Auch der 3-4 Meter lange Kolon kann sich in alle Richtungen drehen. Eine Komplikation ist daher beispielsweise die Kolonabschnürung durch das Milznierenband. Alle möglichen Komplikationen zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen, es gilt jedoch unbedingt festzuhalten, dass es bei innerlich (Stress) oder äußerlich (kontaminiertes Futter) bedingten Störungen des Verdauungssystems relativ schnell zu schwerwiegenden Koliken kommen kann.



Kolkikarten beim Pferd

Koliken können harmlos sein aber oftmals auch tödliche Folgen haben. Eins haben alle gemeinsam - sie sind für das Pferd extrem schmerzhaft. Schnelles Handeln ist allerdings unabdingbar, um die möglichen Folgeschäden einzudämmen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen und/oder Ursachen die eine Kolik auslösen können. Wir haben Ihnen daher, die häufigsten Kolikarten kurz zusammengefasst um im Notfall angemessen reagieren zu können.


  • Die klassische Magenüberladung kann in zwei Arten unterteilt werden. Bei der sogenannten primären Magenüberladung hat das Pferd meist in zu kurzer Zeit zu große Mengen an Nahrung aufgenommen (wir erinnern uns: der Pferdemagen ist sehr klein und auf entsprechend kleine Futtermengen ausgelegt). Auf der anderen Seite können zu hohe Anteile an Proteinen und Kohlenhydraten im Futter zu Gärungsprozessen und einem Aufquellen des Nahrungsbreis führen. Bei beiden Versionen kann das Futter den Magen nicht schnell genug passieren und es kommt zu einer Überdehnung der Magenwand. Da diese nicht sehr dehnbar ist kann es relativ schnell zur Magenwandruptur kommen, diese Komplikation bedeutet für das Pferd den sicheren Tod. Bei der sekundären Magenüberladung kommt es zu einer Rückstauung von Futterresten, Speichel und Sekret aus dem Dünndarm. Ursächlich hierfür kann beispielsweise ein Darmverschluss sein. Die Symptomatik entspricht dabei annähernd der der primären Magenüberladung.


  • Bei der Verstopfungskolik stagniert die Weiterleitung des Darminhaltes. Der Darminhalt sammelt sich an und führt zu einem vollständigen oder teilweisen Darmverschluss. Verstopfungen können sowohl im Dünn- als auch Dickdarm vorkommen, beide Arten unterscheiden sich in ihrer Ausprägung. Dünndarmverstopfungen verursachen meist akute Koliksymptome kurz nachdem das Pferd gefressen hat. Dickdarmverstopfungen haben einen eher chronischen Verlauf, so dass betroffene Pferde häufiger unter rezidivierenden Koliken und Verstopfung leiden. Ursachen können ungeeignetes oder verunreinigtes Futter (Silage, Keim- und Pilzbelastung, Sand, etc.), Wassermangel (Vorsicht im Sommer!) oder Zahnfehlstellungen bzw. allgemein Zahnproblematiken sein, die das korrekte mechanische Zerkleinern des Futters beeinträchtigen. Eine allgemein gestörte Darmtätigkeit kann ihre Gründe in zu wenig Bewegung, Darmentzündungen (Enteritis), Parasitenbefall oder auch viszeralen Neuropathien bzw. Neuromyopathien haben. Auch kann es zu Darmeinengungen infolge einer Tumorerkrankung, Abszessbildung oder Divertikel (Ausstülpungen der Darmschleimhaut) kommen.


  • Die Blinddarmkolik gehört zu den Gaskoliken. Der Blinddarm übertrifft das Magenvolumen um fast das Doppelte. Er liegt dem Dickdarm an und dient dort als Gärkammer. Mithilfe vieler Darmbakterien werden unverdauliche Pflanzenteile in Gase umgewandelt. Der Großteil dieser Gase tritt ins Blut über und wird über die Lunge abgeatmet. Der Rest entweicht im Normalfall über den Darm der Pferde.Eine extrem protein- oder kohlenhydratreiche Ernährung verursacht eine Verschiebung der gesunden Darmflora und es kommt zu einer überdurchschnittlichen Gasbildung. Dieses Gas wiederum verursacht eine extreme Druckerhöhung auf die Blinddarmwand, infolge derer das Pferd deutliche Schmerzen verspürt. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Verstopfung im Blinddarm kommen. Ursächlich hierfür sind dann meist ein zu geringer Anteil an rohfaserverdauenden Bakterien oder auch Wassermangel.


  • Die Krampfkolik oder auch spastische Kolik ist mit rund 40% die häufigste, aber auch ungefährlichste Art aller Magendarmkoliken. Die Ursache für eine Krampfkolik liegt in einer deutlich erhöhten Darmperistaltik, die zu regelrechten Darmkrämpfen führt, die für das Pferd extrem schmerzhaft sind. Schmerzattacken über mehrere Minuten lassen die Darmmuskulatur so stark verkrampfen, dass es vor allem in einzelnen Dünndarmabschnitten zu Darmverschlingungen kommen kann, die dann meist nur noch operativ behandelt werden können. Die unangemessen starke Darmbewegung kann durch verschiedene Faktoren begünstigt werden. Wetterwechsel bzw. Wetterfühligkeit und Stress spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Haltungsfehler (zu wenig Bewegung), schlechte Futterqualität und Wurmbefall.


  • Eine thombotisch-embolische Kolik entsteht aufgrund einer akuten Mangeldurchblutung einzelner Darmabschnitte durch einen Verschluss (Thrombose) der Darmarterien (seltener der Venen). In den Darmwänden wandernde Wurmlarven sind verantwortlich für die Entstehung der Blutgerinnsel. Eine schnelle Erstversorgung durch den Tierarzt ist in diesem Fall enorm wichtig, da es ansonsten zum Absterben größerer Darmabschnitte kommt.


  • Bei einer Sandkolik lagert sich über längere Zeit Sand im Dickdarm ab und wird nicht weiter transportiert und ausgeschieden. Bei trockenen Böden, stark abgefressenen Weiden oder auch Sandausläufen besteht die Gefahr, dass Pferde Erde oder Sand aufnehmen. Große Mengen Sand im Darm können dazu führen, dass eine regelmäßige Verdauung nicht stattfinden kann. Durch verschiedene "Abführmittel" und Medikamente kann der Tierarzt versuchen, den Darminhalt aufzulockern.

Symptome einer Kolik im Überblick​​

​​Es gibt eine Reihe von Verhaltensauffälligkeiten bei Ihrem Pferd, die auf eine Kolik hindeuten können. ​​Wenn Ihr Pferd sich untypisch verhält, beobachten Sie es genau und reagieren dementsprechend sofort. Zeigt das Pferd ein oder mehrere der folgenden Symptome ist eine Diagnose und die Entscheidung den Tierarzt zu informieren relativ einfach.

> ​​Das Pferd ist nervös, unruhig, scharrt, flehmt und schaut oder schlägt in Richtung Bauch.   
> Auch ständiges im Kreis Laufen, häufiges Hinlegen und Versuche sich zu Wälzen sind sehr typisch.   
> Bei stärkeren Schmerzen bleibt das Pferd teils länger auf dem Rücken  oder der Seite liegen.   
> Häufiges Urinieren und Kot ablassen oder auch Verstopfung bzw. Durchfall können Hinweise geben.   
> Meist ist die Bauchmuskulatur deutlich verkrampft und das Pferd ist "aufgezogen“.  
> Bei stärkeren Schmerzen reißt das Pferd die Augen auf, läuft unruhig hin und her, atmet unregelmäßig, stoßweise und leidet unter starken Schweißausbrüchen.   
> Manche Pferde reagieren auch genau gegenteilig und kommen quasi in eine Art "Schmerzstarre".  
> Häufig verweigern die Pferde jegliche Nahrungs- und Wasseraufnahme.   
> Versagt der Kreislauf werden die Schleimhäute trocken und blass, die Hautoberfläche wird kühl und es bricht kalter Schweiß aus. 

​​Im Zweifel sollten Sie daher immer zeitnah einen Tierarzt hinzuzuziehen!


Jedoch reagiert längst nicht jedes Pferd gleich und mit derart offensichtlichen Verhaltensweisen. Daher ist es enorm wichtig, dass der Pferdehalter sein Pferd genau kennt und auch kleinste Verhaltensänderungen bewusst wahrnimmt und einzuschätzen lernt. Des Weiteren müssen kolikspezifische Symptome nicht unbedingt auch eine Kolik bedeuten. Auch Blasen-, Nieren- oder gynäkologische Probleme können zum Teil ähnliche Symptome hervorrufen.


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Mein Pferd hat erste Anzeichen einer Kolik – wie reagiere ich richtig?

Im Zweifel und bei ersten Anzeichen einer Kolik sollte immer ein Tierarzt zu Hilfe geholt werden - lieber zu früh als zu spät! Nur er kann eine zuverlässige Diagnose stellen und die notwendigen Behandlungsschritte einleiten. Zudem gilt: je früher gehandelt wird, desto größer die Chancen auf eine vollständige Genesung. Nichtsdestotrotz kann der Pferdehalter bis zum Eintreffen des Tierarztes eine Menge tun:

  • Wenn möglich sollten die PAT-Werte gemessen und an den Tierarzt weitergeleitet werden.

  • Nach Absprache mit dem Tierarzt kann gegebenenfalls auch eine Notfallmedikation verabreicht werden (Homöopathie, Colosan, Spascupreel, Kafeepulver, Tee etc.).

  • Bei schwachem Kreislauf kann es sinnvoll sein das Pferd einzudecken.

  • Auch ein Massieren der Ohren kann den Kreislauf stimulieren.

  • Eine weitere Nahrungsaufnahme sollte vermieden werden.

  • Zudem sollte ein unkontrolliertes auf den Boden werfen möglichst unterbunden werden (wobei gerade bei Darmverschlingungen das Wälzen den Darm in einigen wenigen Fällen in seine korrekte Position zurückbringen kann, hier also immer im Einzelfall entscheiden und das Verletzungsrisiko minimieren).

  • Das Pferd sollte in einer ausreichen großen, dick eingestreuten Box bleiben oder aber vorsichtig Schritt geführt werden.

  • Kurze Beruhigungsphasen während der Kolikschübe sind normal, bedeuten aber nicht zwingend, dass eine Besserung eingetreten ist. Das Pferd schwebt häufig weiterhin in Lebensgefahr!

Der Tierarzt trifft ein - was macht er bei einer Kolik?

Der Tierarzt wird das Pferd im Regelfall abhören, rektal untersuchen und nochmals die PAT- Werte prüfen. Zur Diagnostik kann eine Nasen-Schlund-Sonde zur Abklärung der Darmsituation hilfreich sein. Bei Magenüberladungen kann auf diesem Wege auch Abhilfe geschaffen und der Magendruck reduziert werden (bei Gaskoliken: kalte oder warme Einläufe). Je nach Art der Kolik kommen unterschiedliche Behandlungen zum Einsatz. So kann bei schweren Gaskoliken häufig nur mittels einer Punktion des betroffenen Darmabschnittes der Druck gemindert werden. Verstopfungskoliken dagegen werden gerne mit der Gabe von unverdaulichen Ölen behandelt. Um eine Austrocknung des gestressten Organismus zu verhindern erhalten betroffene Pferde meist Elektrolyt-Infusionen. In vielen Fällen jedoch reichen schmerzmindernde, krampflösende und kreislaufstabilisierende Medikamente aus, um die Darmtätigkeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen.


Bei besonders schweren Fällen mit Darmverschlingungen und Darmverlagerungen reicht die konservative Behandlung oftmals nicht aus und es kommt meist nur noch ein operativer Eingriff in Frage. Auch hier gilt: es muss schnell gehandelt werden. Oftmals ist die Blutversorgung einzelner Darmabschnitte eingeschränkt oder gänzlich unterbrochen. Je länger dieser Zustand unbehandelt bleibt, desto mehr Darmzellen sterben ab. Dieser Prozess kann schnell lebensgefährlich werden und sollte daher schnellstmöglich behandelt werden. Die Chancen bei einer Operation sind mit bis zu 90% Überlebensrate zwar relativ hoch, dennoch hängt die Genesung sehr individuell von verschiedenen Faktoren wie Alter, Allgemeinzustand vor der OP und den vorangegangenen Maßnahmen durch Tierhalter und Tierarzt ab.



So können Sie einer Kolik bei Ihrem Pferd vorbeugen:


> Die langsame und stetige Aufnahme von Raufutter sollte gewährleistet werden  
> Eine hohe Futterqualität ist unerlässlich (staub-, pilz-, schimmel- und fäulnisfrei, Raufutter sollte möglichst langfaserig sein)  
> Lieber mehrmals täglich kleine Portionen füttern (mindestens 3 Mal pro Tag)  
> Kein kurz geschnittenes Heu, Gras oder Stroh füttern  
> Langsames und schonendes Anweiden >> Lesen Sie mehr darüber in unseren Fachbeitrag "Pferde anweiden: Gesund und ohne Risiko!"
> Gutes Weidemanagement (die sogenannten "kurzgefressenen Magerweiden" sind meist kontraproduktiv)  
> Abgefressenen Weiden stellen eine große Gefahr dar, da vermehrt Sand-  und Erde aufgenommen werden kann   
> Langsame Futterumstellungen  
> Durchdachtes Parasitenmanagement, regelmäßige Entwurmung und/oder Kotuntersuchung >> Lesen Sie mehr darüber in unseren Fachbeitrag "Pferde entwurmen: Die Qual der Wahl"
> Keine Fresspausen von mehr als 4-8 Stunden
> Vor der Kraftfuttergabe immer genügend Heu füttern, so wird ein gesunder Magen-pH-Wert gewährleistet  
> Einwandfreie, staub- und schimmelfreie Einstreu  
> Immer ausreichend sauberes Wasser zur Verfügung stellen  
> Regelmäßige Zahnkontrolle durch einen auf Zähne spezialisierten Fachtierarzt >> Lesen Sie mehr darüber in unseren Fachbeitrag "Zahngesundheit beim Pferd"
> Stress im Training und der Haltung (Herdendruck, Sozialkontakte etc.) vermeiden  
> Für ausreichend Bewegung sorgen 


Die Zeit nach der Kolik


Wurde eine Kolik konservativ erfolgreich behandelt kann das Pferd in der Regel nach zwei- bis dreitägiger Schonung wieder normal bewegt und gefüttert werden. Nach operativen Eingriffen gestaltet sich die Erholungsphase deutlich länger und komplizierter. Das Pferd bekommt dann je nach Situation eine mehrwöchige Boxenruhe, oftmals in Kombination mit einem sehr reduzierten Bewegungsprogramm verordnet. Die meist große Operationsnarbe muss gut verheilen und jeglicher weiterer Stress auf den Organismus unbedingt vermieden werden. Da in der Praxis bis zu 80% aller Pferde innerhalb der ersten vier Tage nach der OP ein Magengeschwür entwickeln sollte ein gesteigerter Wert auf den Magenschutz und die Pufferung der Magensäure gelegt werden. Das Pferd ist während und nach der Therapie enormem physischen und psychischen Stress ausgesetzt. Starke Schmerzen, der Stress des Transports und Klinikaufenthaltes, Futterentzug und eine oftmals bereits vorgeschädigte Magenschleimhaut setzen dem Magen massiv zu. Durch die Aktivierung des „Stressnerven“ Sympathikus kommt er zur erhöhten Freisetzung von Stresshormonen (Adrenalin, Cortisol), die wiederum eine gesteigerte Produktion der Magensäure induzieren. Starke Medikamente tun ihr Übriges.


Selbstverständlich treten Koliken auch bei augenscheinlich perfekt gehaltenen und ernährten Pferden auf. Akut schädliche Faktoren stören die normale Magen- und Darmaktivität und lösen kolikartige Beschwerden aus. Gerade bei akuten Vergiftungen und parasitär bedingten Koliken kann auch die beste Haltung keine 100%ige Sicherheit bieten. In der Realität ist es aber dennoch so, dass die meisten Koliken bei Pferden mit ohnehin schon angeschlagenem Magen-Darm-Trakt erkranken, so dass in vielen Fällen das Auftreten einer Kolik bereits im Vorfeld abzusehen wäre. In den überwiegenden Fällen führen längerfristige Defizite im Haltungs- und Fütterungsmanagement zu einer Verschiebung der Darmflora und angegriffenen Magenschleimhäuten. Die Fütterung und Haltung des Pferdes spielt während der Zeit der Nachbehandlung eine ebenso wichtige Rolle wie für die langfristige Prophylaxe. Gerade eine fehlerhafte Fütterung zieht eine chronische Schädigung des Darms nach sich, in deren Folge das Kolikrisiko signifikant ansteigt. Die erfolgreiche Behandlung einer Kolik darf daher keinesfalls nur akut mithilfe von Medikamenten und Schonkost während der Nachbehandlung erfolgen, sondern sollte vielmehr langfristig auf den Erhalt der gesunden Darmbalance abzielen. Praktisch heißt das, die Fütterung des Pferdes zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.



Wussten Sie schon? Koliken können Magengeschwüre beim Pferd fördern!


Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein erschreckend hoher Anteil (über zwei Drittel) der „Kolikpferde“ innerhalb der ersten Tage nach der Behandlung Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüre entwickeln.

Nicht nur andauernde Haltungs- und Fütterungsfehler können langfristig zu Magenproblemen führen. Auch kurzfristige, akute Stresssituationen lösen häufig Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes aus. So kommt es nach einer Kolik extrem häufig zu stressassoziierten Erkrankungen. Eine Kolik versetzt das Pferd psychisch und physisch unter Stress. Meist vereinen sich während der Therapie verschiedenste Stressfaktoren wie starke Schmerzen, ein eventueller Transport und Klinikaufenthalt, der Futterentzug und die häufig nicht magenschonende Medikation. Auch das insgesamt geschwächte Immunsystem trägt zum zur Entwicklung weiterer Erkrankungen und Magenproblemen bei. Der Organismus reagiert auf Stresssituationen mit der Freisetzung verschiedenster Stresshormone. Gerade die von der Nebenniere ausgeschütteten Botenstoffe Adrenalin und Cortisol spielen dabei eine entscheidende Rolle. Diese Hormone induzieren vermutlich eine erhöhte Magensäureproduktion. Die meist ohnehin schon angegriffene Magenschleimhaut kann die Magenwand nicht mehr adäquat vor der aggressiven Säure schützen, so dass es zu teils gefährlichen Magenwandläsionen, Magenschleimhautentzündungen und sogar der Entwicklung eines Magengeschwürs kommt.

Nach einer überstandenen Kolik sollte daher unbedingt auf einen Magenschutz geachtet werden, der die überschüssige Säure abpuffert und den pH-Wert in einen schonenderen bzw. basischeren Bereich reguliert.



Beispiel Fütterung von Pferden mit Neigung zu Koliken


Stellen Sie Ihr Pferd bei Magen-Darm-Problemen und Koliken auf natürliche und hochwertige (gutes, schimmel- und staubfreies Heu und reichlich frisches Wasser) um, so dass sich der Magen-Darm-Trakt beruhigen kann. Verteilen Sie das Heu auf mindestens 4 bis 6 Rationen täglich. Eine stetige Aufnahme von Raufutter sollte gewährleistet werden. Achten Sie zusätzlich au eine ausreichende Mineralisierung inkl. aller lebensnotwendiger Elektrolyte. Mit folgenden Tipps unterstützten Sie Ihr Pferd noch zusätzlich:



  • Bei empfindlichen Pferden oder in kritischen Situationen wie Wetterwechsel und Stress ist Mash eine wertvolle und vorbeugende Ergänzung zur täglichen Futterration. Es kann dabei helfen, einer drohenden Verstopfung des Dickdarms vorzubeugen. Barynesse "NaturMash" enthält keinen Hafer, ist ohne Weizenkleie und frei von Melasse. Ein aufgießen mit heißem Wasser ist nicht nötig, aber möglich. Die wertvollen Schleimstoffe der Leinsamen, Hanfsamen und Chiasamen unterstützen die Bildung einer schützenden Schleimschicht auf der Magen- und Darmschleimhaut.


  • Flohsamen werden traditionell zur Unterstützung des Verdauungsapparates bei Pferden eingesetzt. Das Besondere an Flohsamen sind ihre Eigenschaften in der Schleimbildung und ihre hohe Quelleigenschaft. Die in den Flohsamenschalen enthaltenen Ballaststoffe sind in der Lage, mehr als das 50-fache an Wasser zu binden. Die Schleimstoffe der Flohsamen wirken sich positiv auf Magen- und Darmschleimhaut aus. Außerdem können Sie dem Pferd helfen, Sandablagerungen im Magen-Darm-Trakt zu binden und auszuscheiden. Besonders empfehlenswert bei Sandkoliken ist die Fütterung von Barynesse "Flohsamen" (ganz ode gemahlen).


  • Leinsamen besitzen einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, essenziellen Aminosäuren, Vitamin E und Schleimstoffen. Leinsamen fördern die Verdauung (besonders die Darmbewegungen) und wirken positiv auf den Magen-Darm-Trakt. Leinsamen sind weithin bekannt für ihre positiven Effekte auf den Verdauungstrakt, unterstützen eine gesunde Darmtätigkeit und den aktiven Stoffwechsel. Enthaltene Schleimstoffe legen sich schützend auf Magen- und Darmschleimhaut, beugen Verdauungsbeschwerden, wie Kotwasser, Durchfall und Koliken vor. Um Koliken und Verstopfung vorzubeugen, eignet sich Leinsamen sehr gut, wie Sie in Barynesse "ALLROUND spezial" in größeren Mengen enthalten sind.


  • Hanf- und Chiasamen können ihrerseits mit etlichen wertvollen Inhaltsstoffen aufwarten. Der besonders hohe Ballaststoffanteil kann sich positiv auf den Magen-Darm-Trakt auswirken - Verstopfungen kann dadurch auf natürliche Weise Einhalt geboten werden. Aber auch bei Übersäuerung oder Kolikanfällen können die "Samen" eine gute Hilfestellung leisten. Besonders empfehlenswert ist die Fütterung von Barynesse "ALLROUND spezial".


  • Raufutterprodukte können neben Heu Ihr Pferd auch bei der Neigung zu Koliken unterstützten. Beide bestehen überwiegend aus rohfaserreichen natürlichen Gräsern und Ballaststoffen, die den Bakterien im Darm als Nahrung dienen. Sowohl Raufutter (Heu und Stroh) als auch Raufutter(ersatz)produkte können langfristig den angeschlagenen Pferdedarm wieder „in Schwung“ bringen. Zusätzlich regen Futtermittel mit hohen Strukturanteil eine gute Kautätigkeit und Einspeichelung des Futters an. Gründliches Kauen und Einspeicheln führt zu einem gleitfähigen und homogenen Speisebrei. Dieser ermöglicht eine optimale Magenpassage und gute Darmperistaltik und beugt außerdem Schlund- und Darmverstopfungen vor. Zudem enthält der Speichel bereits wichtige Enzyme zur Aufspaltung von Kohlenhydraten (Amylase). Dabei gilt es zwei Grundsätze zu beachten: „weniger ist mehr“ und „Qualität statt Quantität". ​ Besonders empfehlenswert ist die Fütterung von Barynesse "NaturMüsli".


  • Ein ausgeklügeltes Ergänzungsfutter kann bei Magenproblemen eingesetzt werden, dass sich regulierend und schützend auf den Säuregehalt des Magens auswirkt. Barynesse "GastroTop" für Pferde bildet eine Schutzschicht über die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts. Die naturbelassenen Kräuter können den empfindlichen Pferdemagen beruhigen und vor Reizungen schützen. Außerdem können Mangelsituationen ausgeglichen werden, die durch Stresssituationen wie Transport, Wettkampf, Gruppendruck bei Fohlen etc. entstehen können. Die hochwertigen Inhaltsstoffe wirken bei alten und schwerfuttrigen Pferden appetitanregend.


  • Bei Aufgasungen bzw. Gaskoliken kann es sinnvoll sein, entblähende und entkrampfende Kräuter zu verabreichen. Kamille, Fenchel, Anis, Salbei und Thymian sorgen für eine geregelte Verdauung und optimale Darmflora. Diese Kräuter eignen sich auch hervorragend zur Vorbeugung bei kolikanfälligen Pferden und können problemlos längerfristig gefüttert werden. Zudem können die wirkungsvollen Kräuter mit darmaktiven Pflanzenstoffe die Darmschleimhaut der Pferde verbessern. Barynesse Herbal "Verdauungskräuter" kann sich daher harmonisierend auf den Magen-Darm-Trakt, insbesondere die Verdauung, auswirken.





Achtung: Eine Futterumstellung ersetzt keinen Tierarzt oder Therapeuten. Bitte verständigen Sie bei akuten Problemen immer einen Fachmann. Bei den Empfehlungen handelt es sich lediglich um eine Anregung. Lassen Sie sich hier gerne von einem erfahrenen Barynesse-Futterspezialisten beraten.

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