Kolik beim Pferd: Todesursache Nummer eins!

Eine Kolik beim Pferd bedeutet häufig Lebensgefahr!


Der Begriff Kolik ist kein feststehendes Krankheitsbild, sondern umschreibt vielmehr unterschiedlichste schmerzhafte Krankheitszustände in der Magen- und Darmgegend. Ganz lapidar könnte man Kolik daher mit Bauchweh übersetzen. Der Begriff Kolik kann vom griechischen „kolikos“ – „im Kolon (Grimmdarm) leidend“ abgeleitet werden. In der Medizin bezeichnen Koliken ganz allgemein krampfartige Schmerzzustände, die durch das krampfhafte Zusammenziehen eines Hohlorgans verursacht werden. Koliken können daher auch in diversen anderen Hohlorganen, wie beispielsweise der Harnblase oder dem Harnleiter entstehen. Hier soll es jedoch ausschließlich um die weithin verbreitete Magen- bzw. Darmkolik gehen.


Die Kolik ist beim Pferd die häufigste Störung des Verdauungstraktes und bis heute auch immer noch die häufigste Todesursache bei domestizierten Pferden.


Über 10% aller Pferde erkranken pro Jahr an einer Kolik. Statistisch gesehen ist bei 10-20% der Patienten ein operativer Eingriff erforderlich. Dieser ist nicht nur extrem kostspielig, sondern garantiert auch keineswegs das Überleben des Pferdes. Eine Kolik ist daher ein absoluter Notfall und es gilt, beim leisesten Verdacht umgehend den Tierarzt zu Rate zu ziehen. Ein möglichst frühzeitiges Eingreifen kann schwere Komplikationen und im besten Fall ein operatives Eingreifen vermeiden. Zudem entwickeln viele scheinbar genesene Pferde gerade nach operativen Eingriffen Folgeerkrankungen wie Magengeschwüre oder Hufrehe, so dass eine Operation möglichst verhindert werden sollte.


Die Ursachen für eine Kolik sind vielfältig. Der Verdauungstrakt des Pferdes weist eine Reihe anatomischer und funktioneller Besonderheiten auf, die den Pferdeorganismus und insbesondere den Magen-Darm-Trakt besonders störanfällig machen. Hinzu kommt die Unwissenheit vieler Pferdehalter um die physiologischen Zusammenhänge und deren Relevanz in der Haltung und Fütterung. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist ein Ergebnis jahrtausender andauernder Entwicklungsprozesse und ist an die Lebensumstände wildlebender Pferde angepasst. Die Domestizierung der Pferde ändert daran nichts und so gilt es sich die Abläufe im Verdauungssystem des Pferdes bewusst zu machen und das Haltungs- und Fütterungsmanagement entsprechend dahingehend anzupassen. Der Magen des Pferdes ist verhältnismäßig sehr klein und umfasst nur ca. 10% des Gesamtverdauungsvolumens. Das Pferd als ehemaliges Steppentier war den größten Teil des Tages mit der Aufnahme kleiner raufaserhaltiger Nahrungsmengen beschäftigt. Infolgedessen ist auch der kleine Magen auf die kontinuierliche Zufuhr ebenso kleiner Futtermengen (hoher Rohfaseranteil) ohne lange Fresspausen angepasst und produziert nahezu durchgehend Magensäure und andere Magensäfte. Zusätzlich fehlt dem Pferd anatomisch bedingt die Fähigkeit (beispielsweise bei Magenüberladungen, Gasansammlungen oder Vergiftungen) sich zu übergeben. Zwischen Speiseröhre und Magen findet sich ein extrem starker Schließmuskel (Kardiaschluss), der ein Rückfließen der Nahrung in die Speiseröhre praktisch unmöglich macht. Der Darm ist mit über 30 Metern Länge außerordentlich lang und kann bis zu 200 Liter Flüssigkeit fassen. In ihm finden sich zahlreiche potenziell störungsanfällige Stellen. Der Dünndarm misst ca. 20-30 Meter, das lange Dünndarmgekröse lässt ihm dabei extrem viel Bewegungsspielraum. Dieser Umstand kann recht schnell dazu führen, dass sich Darmabschnitte selbst strangulieren, umeinander winden, verknoten und invaginieren. Folge ist die gefürchtete Darmverschlingung (Illeus), die oftmals zum Absterben einzelner Darmteile führt. Auch der 3-4 Meter lange Kolon kann sich in alle Richtungen drehen. Eine Komplikation ist daher beispielsweise die Kolonabschnürung durch das Milznierenband. Alle möglichen Komplikationen zu beschreiben würde hier den Rahmen sprengen, es gilt jedoch unbedingt festzuhalten, dass es bei innerlich (Stress) oder äußerlich (kontaminiertes Futter) bedingten Störungen des Verdauungssystems relativ schnell zu schwerwiegenden Koliken kommen kann.



Kolkikarten beim Pferd

Koliken können harmlos sein aber oftmals auch tödliche Folgen haben. Eins haben alle gemeinsam - sie sind für das Pferd extrem schmerzhaft. Schnelles Handeln ist allerdings unabdingbar, um die möglichen Folgeschäden einzudämmen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen und/oder Ursachen die eine Kolik auslösen können. Wir haben Ihnen daher, die häufigsten Kolikarten kurz zusammengefasst um im Notfall angemessen reagieren zu können.


  • Die klassische Magenüberladung kann in zwei Arten unterteilt werden. Bei der sogenannten primären Magenüberladung hat das Pferd meist in zu kurzer Zeit zu große Mengen an Nahrung aufgenommen (wir erinnern uns: der Pferdemagen ist sehr klein und auf entsprechend kleine Futtermengen ausgelegt). Auf der anderen Seite können zu hohe Anteile an Proteinen und Kohlenhydraten im Futter zu Gärungsprozessen und einem Aufquellen des Nahrungsbreis führen. Bei beiden Versionen kann das Futter den Magen nicht schnell genug passieren und es kommt zu einer Überdehnung der Magenwand. Da diese nicht sehr dehnbar ist kann es relativ schnell zur Magenwandruptur kommen, diese Komplikation bedeutet für das Pferd den sicheren Tod. Bei der sekundären Magenüberladung kommt es zu einer Rückstauung von Futterresten, Speichel und Sekret aus dem Dünndarm. Ursächlich hierfür kann beispielsweise ein Darmverschluss sein. Die Symptomatik entspricht dabei annähernd der der primären Magenüberladung.


  • Bei der Verstopfungskolik stagniert die Weiterleitung des Darminhaltes. Der Darminhalt sammelt sich an und führt zu einem vollständigen oder teilweisen Darmverschluss. Verstopfungen können sowohl im Dünn- als auch Dickdarm vorkommen, beide Arten unterscheiden sich in ihrer Ausprägung. Dünndarmverstopfungen verursachen meist akute Koliksymptome kurz nachdem das Pferd gefressen hat. Dickdarmverstopfungen haben einen eher chronischen Verlauf, so dass betroffene Pferde häufiger unter rezidivierenden Koliken und Verstopfung leiden. Ursachen können ungeeignetes oder verunreinigtes Futter (Silage, Keim- und Pilzbelastung, Sand, etc.), Wassermangel (Vorsicht im Sommer!) oder Zahnfehlstellungen bzw. allgemein Zahnproblematiken sein, die das korrekte mechanische Zerkleinern des Futters beeinträchtigen. Eine allgemein gestörte Darmtätigkeit kann ihre Gründe in zu wenig Bewegung, Darmentzündungen (Enteritis), Parasitenbefall oder auch viszeralen Neuropathien bzw. Neuromyopathien haben. Auch kann es zu Darmeinengungen infolge einer Tumorerkrankung, Abszessbildung oder Divertikel (Ausstülpungen der Darmschleimhaut) kommen.


  • Die Blinddarmkolik gehört zu den Gaskoliken. Der Blinddarm übertrifft das Magenvolumen um fast das Doppelte. Er liegt dem Dickdarm an und dient dort als Gärkammer. Mithilfe vieler Darmbakterien werden unverdauliche Pflanzenteile in Gase umgewandelt. Der Großteil dieser Gase tritt ins Blut über und wird über die Lunge abgeatmet. Der Rest entweicht im Normalfall über den Darm der Pferde.Eine extrem protein- oder kohlenhydratreiche Ernährung verursacht eine Verschiebung der gesunden Darmflora und es kommt zu einer überdurchschnittlichen Gasbildung. Dieses Gas wiederum verursacht eine extreme Druckerhöhung auf die Blinddarmwand, infolge derer das Pferd deutliche Schmerzen verspürt. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Verstopfung im Blinddarm kommen. Ursächlich hierfür sind dann meist ein zu geringer Anteil an rohfaserverdauenden Bakterien oder auch Wassermangel.


  • Die Krampfkolik oder auch spastische Kolik ist mit rund 40% die häufigste, aber auch ungefährlichste Art aller Magendarmkoliken. Die Ursache für eine Krampfkolik liegt in einer deutlich er