Zahngesundheit beim Pferd: Wissen rund um das Pferdegebiss

Regelmäßige Zahnkontrollen sind immens wichtig für die Gesundheit und Gesunderhaltung des Pferdes. In der Praxis sollte mindestens einmal im Jahr ein Fachmann den Zustand des Pferdegebisses beurteilen. Es ist ratsam, hier nicht den Tierarzt um die Ecke für die Zahnbehandlung zu beauftragen, sondern einen ausgebildeten und darauf spezialisierten Pferdedentisten.


​​Um auch als Pferdebesitzer die vielen möglichen Problematiken erkennen und nachvollziehen zu können, ist es wichtig, die grundsätzliche Anatomie und die vielfältigen Funktionen des Gebisses zu verstehen. Das Pferdegebiss in seiner heutigen Form ist das Ergebnis einer Jahrtausenden andauernden Entwicklung und nahezu perfekt angepasst an die ursprünglichen Lebensumstände des Pferdes. Durch die Domestizierung des Pferdes als „Haustier“ haben sich vor allem die Fütterung und das Fressverhalten grundlegend verändert. Die Auswirkungen auf die Zähne sind deutlich und spiegeln sich in den verbreiteten Zahnproblemen vieler Pferde wieder.



Die Besonderheiten vom Pferdegebiss im Überblick:


Das Pferdegebiss weist einige Besonderheiten im Vergleich zum menschlichen Gebiss auf. Das Gebiss des Pferdes kann in vier Quadranten unterteilt werden, wobei jeder Quadrant drei vordere (Prämolares II, III, IV) und drei hintere Backenzähne (Molares I, II, III) sowie drei Schneidezähne (Incisivi I, II, III) aufweist. Hinzukommend kann sich pro Quadrant ein Wolfs- oder Hengstzahn ausbilden.


Ein Wolfszahn ist ein prinzipiell funktionsloses Rudiment, aufgrund seiner ungünstigen Lage vor dem ersten Backenzahn kann er jedoch im Einzelfall mit der Trense korrelieren und zu Schmerzreaktionen beim Reiten führen. Bei Bedarf können Wolfszähne dann unproblematisch entfernt werden.


Hengstzähne sind, auch wenn der Name anders vermuten lässt, bei Stuten gleichermaßen angelegt wie bei Hengsten und Wallachen. Bei Stuten entwickeln sie sich jedoch deutlich seltener heraus und sind dann meist nur wenige Millimetern groß. Meist stellen auch Hengstzähne kein Problem dar. Sollten sie extrem scharfkantig sein und zu Zungen- oder Schleimhautverletzungen führen, kann der Zahnfachmann die Zähne einfach etwas abrunden.


Neben dem extrem harten Zahnschmelz und dem Dentin enthalten Pferdezähne zusätzlich den weichen Zement. Durch ihre verschiedenen Strukturen und Härten sind diese unterschiedlichen Zahnsubstanzen maßgeblich verantwortlich für die wellenförmige Zahnstruktur der Backenzähne. Diese dient der Oberflächenvergrößerung und einer effizienteren mechanischen Nahrungszerkleinerung und unterstützt so die Backenzähne als Kau- und Mahlwerkzeug. Jedoch sind diese Bereiche aufgrund ihrer Struktur auch anfälliger für Zahnerkrankungen und Frakturen.


Die Schneidezähne fungieren dagegen eher als Schneidewerkzeug. Hier bilden die verschiedenen Zahnsubstanzen die sogenannten „Kunden“ in der Mitte des Zahnes. Je nach Abrieb, Form und Tiefe dieser „Kunden“ lässt sich mit deren Hilfe das Alter eines Pferdes relativ genau bestimmen. Im Gegensatz zum menschlichen Gebiss unterliegt das Pferdegebiss einem lebenslangen Wandel und einer dauernden Anpassung an aktuelle Fütterungs- und Haltungssituationen.


Die Verdauung beginnt bereits im Pferdemaul!

Für eine optimale Verdauung ist bereits eine intensive Nahrungseinspeichelung und Zerkleinerung der Nahrung von großer Bedeutung. Sie wird durch möglichst lange Futteraufnahmezeiten gefördert.


"Natürlich gehaltene" Pferde sind etwa 15-18 Stunden täglich mit der Futteraufnahme