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Selen beim Pferd: Mangel oder Überschuss?

Selen ist für die meisten Pferdebesitzer der wohl bekannteste Mineralstoff. Tatsächlich handelt es sich hierbei aber um ein essentielles Spurenelement, das wichtige Funktionen im Körper erfüllt und so von grundlegender Bedeutung für eine einwandfreie Funktion des Organismus ist.


Sowohl eine Unter- als auch Überversorgung des Pferdes mit Selen führt zu akuten und langfristigen Problemen. Jedoch ist dies vielen Pferdebesitzern, Tierärzten und Therapeuten häufig nicht bewusst, wie eine Selenzugabe korrekt dosiert werden sollte bzw. wann ein Pferd tatsächlich unter einem Mangel oder einem Überschuss an Selen leidet.




Selen ist essentiell für Pferde!


Die Wirkungsbereiche des Selens erstrecken sich auf viele Stoffwechselprozesse des Körpers. Selen wirkt einerseits als wichtiges Antioxidans, indem es beispielsweise an antioxidativ wirkenden Eiweißen bzw. Enzymen wie der Glutathionperoxidase oder Thioredoxin-Reduktase beteiligt ist. Hierbei wird eine unerwünschte Oxidation, d. h. eine Freisetzung von Elektronen bestimmter Substanzen verhindert. Die Zellen und insbesondere die Zellkerne mit der beinhalteten DNA werden so vor Entartungen geschützt, Reparaturmechanismen von bereits angegriffenen Zellen werden gefördert, freie Radikale und toxische Stoffwechselzwischenprodukte werden gebunden und ausgeschieden und Schwermetalle und andere toxische Stoffe unschädlich gemacht. Folglich ist das Spurenelement von fundamentaler Bedeutung für eine effektive Immunabwehr des Körpers. Daneben spielt Selen auch eine Rolle für die Schilddrüsengesundheit und ist für die Synthese und Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 (Thyroxin) in das stoffwechselaktivere T3 (Trijodthyronin) mitverantwortlich. Diese Hormone regulieren und aktivieren den Sauerstoffverbrauch der Zellen und die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen. Außerdem unterstützen sie die Aufspaltung von Fetten (Lipolyse) und stellen Energie aus Fettsäuren und Zuckern bereit. Somit nimmt Selen indirekt einen enormen Einfluss auf den gesamten Energiestoffwechsel.



Mangel und Überschuss: Symptome und Anzeichen richtig erkennen!


In Europa und Deutschland enthalten die Böden verhältnismäßig wenig bis kein Selen, wobei hier zusätzlich ein Nord-Süd-Gefälle aufzuzeichnen ist. Dementsprechend weisen auch die meisten Pflanzen und Gräser und somit auch Heu und Stroh einen verhältnismäßig geringen Selengehalt auf. Der niedrige Selengehalt ist häufig auf eine Intensivbewirtschaftung der Felder und folglicher Auswaschung und Übersäuerung der Böden zurückzuführen. Dieser Umstand ist jedoch nicht der Hauptfaktor für den heute fast schon "modern gewordenen" Selenmangel vieler Pferde. Hinzu kommt die immer höhere Beimengung von chemisch hergestellten Futterzusätzen und schädlichen Konservierungsstoffen in das tägliche Kraftfutter des Pferdes. Die Pferde sind heutzutage einer zunehmenden Schadstoffbelastung ausgesetzt und immer häufiger schwermetallbelastet (Blei, Quecksilber, Cadmium).


Um diese Mengen an Schadstoffen zu binden und unschädlich machen zu können verbraucht der Körper nun mehr Selen, was wiederum zu einem Selenmangel führen kann. Auch bei Infektionen oder übermäßiger Muskelarbeit entstehen toxische Substanzen und freie Radikale, die so zu einem erhöhten Selenbedarf führen. Sehr energiereiches Futter lässt den Selenbedarf ebenfalls deutlich ansteigen. Schließlich kann auch die Fütterung von beispielsweise schwefelhaltigen Verbindungen (MSM), Kalzium oder Kupfer, die als Antagonisten wirken, ursächlich für einen erhöhten Verbrauch von Selen sein. Leidet ein Pferd an Selenmangel kann es verschiedenen Symptomatiken zeigen. Wesentlich betroffen ist die quergestreifte Muskulatur, da Selen dort zusammen mit Vitamin E als wichtiges Antioxidans fungiert.


Ein Mangel äußert sich hier bei akutem Selenmangel häufig in Muskelschwäche, Muskelkrämpfen und kreuzverschlagsähnlicher Symptomatik bzw. Ataxie. Durch die Schwächung des Immunsystems wird das Pferd infektanfällig, ist allgemein müde, neigt zu Haarbruch und einer schlechten Hornqualität der Hufe.


Während vielen Pferdebesitzern die Symptome eines Selenmangels geläufig sind, können die meisten die Anzeichen einer Überdosierung nicht deuten. Der Grat zwischen dem tatsächlichen Bedarf und einer chronisch toxischen Überdosierung ist schmal und fließend und kann schnell zu einer akuten Vergiftung führen. Enthält das Futter des Pferdes über einen zu langen Zeitraum eine zu hohe Selenkonzentration kommt es langfristig zu Vergiftungserscheinungen, jedoch kann es auch durch eine zu hoch konzentrierte kurzfristige Selengabe nach einem diagnostizierten Selenmangel dazu kommen.


Durch den Austausch von im Keratin befindlichen schwefelhaltigen Aminosäuren gegen Selen kommt es zu Störungen im Haarkleid, die betroffenen Pferde leiden unter Haarausfall und Haarbruch. Diese Störung bezieht sich auch auf die Hufe. Sie werden bröckelig und rissig, verlieren an Härte und Elastizität. Auch ringförmige Einschnürungen an den Hufen, Schwellungen im Bereich des Kronrandes und häufige Hufgeschwüre sind Hinweise auf eine akute Vergiftung. Im Schlimmsten Fall kann es zum Ablösen des gesamten Hufes und zum sogenannten Ausschuhen kommen. Betroffene Pferde zeigen im Vorlauf häufig unspezifische Lahmheiten und insbesondere einen starken Wendeschmerz, eine mehr oder weniger hochgradige Pulsation an den hinteren Gliedmaßen ist zu spüren. Insgesamt ist das Pferd leistungsschwach und apathisch.



Selen beim Pferd richtig dosieren


Zur richtigen Dosierung des Spurenelementes gibt es unzählige Meinungen und Studien, die sich in ihren Aussagen teilweise beträchtlich voneinander unterscheiden. Auch die Aussagekraft eines Blutbildes wird gegensätzlich diskutiert. Um sich selber ein Bild vom Zustand des eigenen Pferdes machen zu können, ist es wichtig einige der bisher erforschten und vermuteten Wirkungsmechanismen von Selen zu verstehen. Nimmt ein Pferd über das Futter Selen auf, gelangt dieses über den Dünndarm ins Blut und bindet dort zunächst an verschiedene Proteine. Von dort aus wird es weiter transportiert und reichert sich in Niere, Leber und Hormondrüsen an, wo es schließlich in begrenzter Kapazität gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben werden kann. Die größte Speicherkapazität hat allerdings mit rund 40% die Skelettmuskulatur.


Ein Blutbild kann nun einen vermeintlichen Mangel zeigen, obwohl Organe und Muskulatur noch ausreichend versorgt sind. Andersherum kann es bei „normalen“ Blutwerten sein, dass der restliche Organismus bereits vergiftet ist. Wichtig ist auch, die Wechselwirkung zwischen Selen und Zink zu verstehen. So ist der Selenwert in vielen Fällen niedrig, weil auch gleichzeitig ein Zinkmangel vorliegt, der dann ursächlich für den vermeintlichen Selenmangel ist und meist von einer überforderten Leber herrührt. Wird nun ein Selenmangel ausschließlich mit einem Monopräparat behandelt kann es zu massiven Störungen im Hormonhaushalt des Pferdes kommen. Durch das Überangebot an Selen kommt es zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, einer Pseudo-Schilddrüsenüberfunktion und in der weiteren Folge einer vermehrten Ausschüttung von Cortison, das den Körper in einen Stresszustand versetzt. Folgen können Apathie, Abmagerung, schlechte Fell- und Hornqualität und weitere der oben schon besprochenen Symptome sein. Die Symptome ähneln häufig auch denen eines Equinen Cushing Syndroms (ECS). Der Organismus reagiert darauf wiederum mit einer Unterfunktion der Schilddrüse, welche dann zu Fetteinlagerungen, Ödembildung und einer verminderten Herzleistung führen kann. Weiterhin wirkt ein zu hoher Selenspiegel direkt auf die Insulinregulierung des Körpers und kann in der Folge eine Insulinresistenz begünstigen, die sich beispielsweise im bekannten Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) ausdrücken kann.



Blutbild - ab wann spricht man von einem Selenmangel beim Pferd?


Zweifelsohne sind Defizite im Blutbild des Pferdes trotz obiger Überlegungen immer auch ein Signal für mögliche Störungen im Organismus des Pferdes. Jedoch ist es schwierig einheitliche Werte für alle Pferde festzulegen, da der Bedarf an Selen individuell ist und abhängig von Faktoren wie Rasse, Alter, sportlichem Einsatz und Haltung. Während einige Pferde bei Selenmangel starke Symptome zeigen, gibt es daneben auch viele klinisch unauffällige Pferde, die mit einem scheinbaren Selenmangel keinerlei Nachteile haben. Somit muss bei der Auswertung von Blutbildern auch immer der Gesamtzustand eines Pferdes beachtet werden, um eine unnötige und eventuell sogar schädigende Gabe von Selen auszuschließen.



Die Behandlung eines Selenmangels sollte wie folgt ablaufen:


> Anstatt eines hochkonzentrierten Selenpräparats, das über einen kurzen Zeitraum verabreicht wird sollte lieber zur kombinierten Supplementierung, mit einer zusatzlichen Verabreichung von organischem Zink, gegriffen werden. Auch sollte dies in geringen Mengen, dafür aber über einen längeren Zeitraum erfolgen, um so dem Organismus schonend die benötigten Mineralien und Spurenelemente zur Verfügung zu stellen.


> Zusätzlich sollte immer das schon enthaltene Selen in industriell hergestelltem Fertigfutter beachtet werden. Greifen Sie hier auf natürliche Futtermittel oder Raufutterersatzprodukte zurück, die keine Konservierungsstoffe oder zugesetzten Zucker enthalten.


> Auch Leber- und Nierenprobleme sollten als mögliche Ursachen in Betracht gezogen und mit behandelt werden. Pferden mit Stoffwechselproblemen wie EMS, ECS oder Diabetes Typ II sollten mit Bedacht und überlegt supplementiert werden.


Selen ausschließlich über das Grundfutter zuzuführen stellt sich oftmals als problematisch dar. Der Gehalt an Selen in pflanzlichen Produkten (u. a. Getreideprodukte, Soja, Nüsse etc.) ist abhängig vom Selengehalt des Bodens, auf dem sie angebaut wurden.


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