Erkrankungen der Nieren bei Hunden und Katzen

Nierenerkrankungen - DIE Schwachstelle bei Hunden und Katzen


Nierenerkrankungen sind bei Hunden (häufig ab 6 Jahren) und ganz besonders bei (älteren) Katzen leider sehr häufig und gehören zu den wichtigsten Ursachen für die Euthanasie des Tieres. Etwa 50-75% aller Hauskatzen (insbesondere ältere Tiere) weisen eine mehr oder minder ausgeprägte Nierenschwäche auf.


​​Im Vordergrund steht dabei die chronische Niereninsuffizienz. Bei der akuten Form einer Nierenerkrankung besteht das Problem erst seit kurzer Zeit, die Nieren können sich bei rechtzeitiger Behandlung häufig wieder vollständig erholen. ​​Im Gegensatz dazu kommt es bei der chronischen Niereninsuffizienz zu strukturellen oder funktionellen Auffälligkeiten der Niere, die über mehr als 3 Monate bestehen. Dies führt zu einem fortschreitenden und irreversiblen Funktionsverlust der Niere. Problematisch dabei ist, dass die Erkrankung oftmals erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt und diagnostiziert wird. Im Gegensatz zur Leber besitzt die Niere keine Regenerationsfähigkeiten und kann einmal zerstörtes bzw. geschädigtes Gewebe nicht wieder aufbauen. Jedoch verfügt die Niere über ein sehr hohes Reserve- und Kompensationsvermögen, so dass sie Störungen und den Untergang ihrer funktionellen Einheiten, der sogenannten Nephrone, über einen langen Zeitraum kompensieren kann und Symptome somit erst im späteren Stadium auftreten. Am Anfang der Erkrankung steht eine initiale Schädigung der Nieren, bei einigen Rassen und Individuen kommt eine erbliche Komponente hinzu. Auch Entzündungsprozesse im Bereich der Niere oder sonstige pathologische Veränderungen können eine Niereninsuffizienz begünstigen. Die Ursachen führen zunächst zu einer fokalen Schädigung und dem Verlust einzelner Nephrone. Die Niere kompensiert den Ausfall der Nephrone über die Aktivierung des komplexen und hocheffizienten RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems), welches zu einer erhöhten Freisetzung des Enzyms Renin führt. Renin wiederum stimuliert einen Blutdruckanstieg und steigert die Filtrationsleistung in den verbleibenden, funktionstüchtigen Nephronen. Es kommt zu einer kompensatorischen Hypertrophie. Kurzfristig sorgt dieser Kompensationsmechanismus für die Aufrechterhaltung der Filtrationsleistung, langfristig jedoch kommt es zu einer irreversiblen Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Die langfristige Überbelastung der Nephrone endet oftmals in einer sogenannten Glomerulosklerose (pathologische Gewebsverhärtung) und Fibrosen (krankhafte Vermehrung des Bindegewebes bzw. narbige Veränderungen) und dem Untergang weiterer Nephrone. Dieser Kreislauf setzt sich weiter fort, bis die Funktion der Niere ernsthaft beeinträchtigt ist. Langfristig vernarbt die Niere und verkümmert regelrecht, es entwickelt sich die sogenannte Schrumpfniere. Bei fortschreitender Niereninsuffizienz kommt es schließlich zum Nierenversagen. Eine gezielte und vor allem rechtzeige Behandlung kann die Lebenserwartung des Tieres zwar deutlich steigern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, eine Heilung ist jedoch kaum möglich. Der gesamte Prozess kann sich über einige Jahre erstrecken und variiert von Fall zu Fall. Die Symptome richten sich nach den Funktionen der Niere. Da das Organ gewissermaßen eine Doppelfunktion erfüllt, sind die Symptomursachen entsprechend vielfältig. Zum einen fungiert die Niere als Ausscheidungsorgan, arbeitet also exkretorisch. Sie ist für die Regulation des pH-, Wasser- und Elektrolythaushaltes sowie die Elimination und Ausleitung harnpflichtiger und toxischer Substanzen (Medikamente) und Abfallprodukte zuständig. Zum anderen erfüllt sie inkretorische, endokrine Aufgaben, ist also für die Bildung bestimmter Hormone und hormonähnlicher Substanzen verantwortlich, wie beispielsweise Renin, Calcitriol und Erythropoetin (Bildung roter Blutkörperchen). Die Nieren reinigen und filtern das Blut, entgiften den Körper und regulieren sowohl den Blutdruck als auch Wasser- und Elektrolythaushalt.


Typische Symptome sind allgemeine Schwäche, Apathie, Fressunlust, Polyurie (erhöhter Harnabsatz, Fähigkeit den Harn zu konzentrieren geht verloren), gesteigerte Wasseraufnahme, glanzloses und schuppiges Fell und allgemeine Immunschwäche und Infektanfälligkeit. Die reduzierte Filtrationsleistung führt dazu, dass vermehrt harnpflichtige Substanzen im Körper verbleiben. Folgen können Magen- und Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und ein unangenehmer, manchmal leicht fischiger Körper- und Maulgeruch sowie Zahnfleischentzündungen sein. Ist die Produktion des Hormons Erythropoetin beeinträchtigt kann sich eine Anämie (Blutarmut) entwickeln, ein Calcitriolmangel hingegen führt zu Osteopathien (z.B. Osteoporose). Die Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Körper sorgt für die bei Nierenerkrankungen typische Harnvergiftung (Urämie). Eine sehr starke Urämie kann zu häufigem Erbrechen und neurologischen Symptomen (Krämpfe, Bewusstlosigkeit) führen.



Prophylaxe statt Therapie!


Die frühzeitige Diagnosestellung ist bei Nierenerkrankungen nicht immer einfach. Umso wichtiger ist die Prophylaxe, die die Ansammlung von zu viel Ammoniak und Harnstoff möglichst verhindert. Dabei kommt es einerseits darauf an, die Proteinmenge auf ein vernünftiges Maß zu beschränken. Gleichzeitig ist jedoch auch auf eine hohe Qualität und gute Verdaulichkeit der enthaltenen Eiweiße zu achten (Muskelfleisch). Ebenfalls von Bedeutung ist der Phosphorgehalt des Futters. Ein Übermaß an Phosphor scheint gerade bei Katzen teilweise sogar schädlicher zu sein als eine erhöhte Proteinzufuhr.


Entscheidend ist außerdem der Flüssigkeitsgehalt der Nahrung. Dies gilt im besonderen Maß für die Katze. Da es sich bei der Katze ursprünglich um einen Wüstenbewohner handelt, ist sie grundsätzlich in der Lage ihren Flüssigkeitsbedarf allein über die Nahrung, d.h. das Fleisch der Beutetiere zu decken, ohne zusätzlich viel Wasser aufnehmen zu müssen. Katzennieren sind in der Lage den Urin extrem stark zu