"Stimmungsschwankungen" beim Tier: Was steckt dahinter?

Wut, Trauer, Euphorie, Aggression, Freude – jeder Mensch kennt sie - Stimmungsschwankungen! Meist hängt die Stimmung von der unmittelbaren Umgebung und Situation ab. Wechseln die Stimmungen jedoch besonders schnell und oftmals auch ohne erkennbaren, nachvollziehbaren Grund, spricht man von Stimmungsschwankungen.

​​Diese belasten nicht nur uns Menschen, sondern auch unsere Tiere leiden gerade in der kalten Jahreszeit besonders häufig unter Stimmungsschwankungen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von hormonellen Dysbalancen, organischen Erkrankungen, futterbedingten Mangelerscheinungen über traumatische Erlebnisse, belastende Haltungsbedingungen, Reaktionen auf einen psychisch instabilen Tierhalter/Reiter bis hin zu psychischen Leiden, wie (versteckten) Depressionen. Gerade letztere wurden in den vergangenen Jahren intensiv erforscht und einige Studien deuten darauf hin, dass unsere Pferde uns Menschen in einer Depression mehr ähneln als bislang angenommen.



Die kalte Jahreszeit als "Stimmungskiller"?


Gerade im Winter leiden besonders viele Tiere unter abrupt wechselnden Stimmungslagen. Wenn im Winter die Tage kürzer werden und der Himmel voller Wolken hängt, sinkt auch bei unseren Pferden die Laune in den Keller. Sie leiden unter Appetitlosigkeit, ziehen sich zurück, finden keinen Antrieb, sind mit sich und ihrer Umwelt im Unreinen. Ursache für die saisonal abhängigen Stimmungsveränderungen in Herbst und Winter ist der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel. Die Lichtintensität wird geringer und es wird früher dunkel. Hier kommt die „innere Uhr“, der sogenannte zirkadiane Rhythmus, ins Spiel. Dabei fungiert das Licht als wichtigster Taktgeber. Die innere Uhr wird maßgeblich vom „suprachiasmatischen Nucleus“ kontrolliert, der zusammen mit den Botenstoffen Serotonin und Melatonin die unterschiedlichsten Biorhythmen und den Schlaf-Wach-Rhythmus regelt. Melatonin, auch bekannt als „Schlafhormon“ wird bei Dunkelheit produziert, während Serotonin eher bei Tageslicht freigesetzt wird. Serotonin, wiederum auch als „Glückshormon“ bekannt, wirkt als natürliches Antidepressivum. Es wirkt entspannend und schmerzlindernd und sorgt für gute Laune. Viele Depressionen gehen mit diversen Störungen des Gehirnstoffwechsels und meist auch einem Serotoninmangel einher.


Im Winter fällt nun weniger Licht durch das Auge auf die Zirbeldrüse, einem Teil des Zwischenhirns, welche nun weniger Serotonin, dafür aber mehr Melatonin bildet. Melatonin ist zwar einerseits wichtig für die Regeneration und Erholung des Organismus während der Schlafphase, macht jedoch auch müde und träge und kann im Überfluss durchaus auch eine depressive Verstimmung begünstigen. Beim Tier ist das nicht anders, als beim Menschen!

Sensible oder ältere Pferde reagieren in der kälteren Jahreszeit, insbesondere bei plötzlichen Wetterumschwüngen, mit vielfältigen Symptomen, die belastend für den Organismus sein können.

Lesen Sie hierzu unseren Artikel "Wetterfühligkeit beim Pferd: Wenn das Wetter krank macht!".




Hat der Darm Einfluss auf die Stimmung unserer Vierbeiner?