Sommerekzem beim Pferd: Wenn das Immunsystem überreagiert

Die Tage werden länger, die ersten Gräser fangen an zu sprießen, der Frühling lässt nicht mehr lange auf sich warten. Und wie jedes Jahr sehen sich viele Pferdebesitzer mit dem Problem "Sommerekzem" konfrontiert. Allgemein versteht man unter einem Sommerekzem eine saisonal auftretende allergische Reaktion des Körpers auf den Speichel bestimmter Stechmücken, Gnitzen oder Kriebelmücken (Spezies Culicuides), die sich in diversen Hautsymptomen äußert. Besonders der Speichel der blutsaugenden weiblichen Mücken konnte für die allergischen Reaktionen als auslösender Faktor isoliert werden. ​​Um Verklumpungen im Blut zu vermeiden, applizieren die Mücken während des Saugvorgangs eine im Speichel enthaltene Blut verflüssigende Substanz in die Haut des Pferdes, die vermutlich mitverantwortlich ist.


​​Meist zeigen sich die ersten Symptome im Alter zwischen 4-5 Jahren, diese können jedoch auch deutlich früher oder später auftreten. Obwohl die Erkrankung theoretisch jedes Pferd treffen kann, ist die Zahl erkrankter Pferde innerhalb der Robustrassen (wie Haflinger, Ponys, Tinker, etc.) immer noch besonders hoch. Vor allem importierte Isländer weisen ein auffällig hohes Risiko auf. Rund drei Viertel aller frisch eingereisten Pferde erkranken innerhalb eines Jahres an spezifischen Symptomen. Grund hierfür ist eine Überforderung des Immunsystems aufgrund der plötzlich neuen Umweltsituation. Anzumerken ist hierbei jedoch, dass in Deutschland gezogene Isländer kein messbar höheres Risiko haben zu erkranken. Eine erbliche Prädisposition spielt bei der Ausprägung allergischer Reaktionen zwar sicherlich eine Rolle, ist aber in den wenigsten Fällen allein schuld. Klassischerweise beginnt das Ekzem mit den typischen Symptomen, dass heißt häufig kaum sichtbare kleine ödematöse Pusteln direkt an der Stichstelle und Kahlscheuern vorzugsweise in Bereichen mit senkrecht stehender Behaarung wie Schweifrübe, Mähnenkamm oder Bauchnaht.


Trotz zahlreicher Behandlungsmethoden und einer schier unermesslichen Masse an Produkten, die dem erkrankten Tier den Sommer erleichtern sollen, ist das Ekzem in den meisten Fällen immer noch nicht heilbar. Nicht nur für das Pferd stellt die Erkrankung eine massive Belastung dar, auch für den Pferdehalter bedeutet die Diagnose Sommerekzem neben einem extrem hohen Pflege- und Behandlungsaufwand auch eine große finanzielle Belastung. Hinzu kommt, dass die Behandlung meist nur auf die Reduzierung der Symptome abzielt und kaum einen nachhaltigen Effekt mit sich bringt. Erfolgversprechender wäre eine kausale Therapie. Da es sich bei dem Sommerekzem jedoch um eine tückische Erkrankung handelt, bei der meist viele Faktoren zur Ausprägung beitragen, bedarf es einer genaueren Betrachtung der zugrunde liegenden Mechanismen.



Die allergische Komponente


Im Gegensatz zu Autoimmunerkrankungen, bei denen sich der Organismus gegen körpereigene Zellen richtet, handelt es sich bei der Allergie um eine (meist erworbene) übertriebene, krankhafte Reaktion des Immunsystems auf bestimmte körperfremde und in der Regel harmlose Umweltstoffe, sogenannte Allergene. Allergische Reaktionen werden in vier Unterklassen unterteilt, abhängig vom jeweiligen Pathomechanismus. In diesem Fall handelt es sich um die häufigste Allergieform, eine Allergie vom Typ 1, eine Reakion vom „Soforttyp“ oder „anaphylaktischen Typ“. Sie ist durch eine sehr schnelle, dass heißt innerhalb weniger Sekunden oder Minuten auftretende Immunreaktion gekennzeichnet (eine zweite, verzögerte Reaktion nach einigen Stunden ist möglich). Bei dieser Form der Hypersensibilität kommt es zu Störungen in der Regelung der sogenannten IgE-Antikörper (Immunoglobulin E). Bei einer allergischen Immunantwort kommt es zu einer, unter anderem durch IgE Antikörper vermittelten, Reaktionskaskade, die unter anderem die Freisetzung bestimmter Entzündungsmediatoren wie beispielsweise Histamin und Prostaglandin beinhaltet. Diese führen zu periphären Gefäßerweiterungen, einer erhöhten Gefäßpermeabilität (Durchlässigkeit), Ansammlung von Blut im Kapillarbett, Flüssigkeitsansammlungen im Interstitium (Ödembildung), Schwellung, Schmerz und Juckreiz. Sogenannte T-Zellen sind normalerweise dafür verantwortlich, die IgE-Aktivität zu regulieren. Bei einer allergischen Reaktion sind diese Zellen in geringerem Maß vorhanden oder inaktiver als gewöhnlich. In der Folge kommt es zu einer hypersensiblen, überschießenden Immunreaktion, die zu Entzündungen im Bereich der betroffenen Stellen führt oder in schweren Fällen eine systemische Entzündungsreaktion hervorruft (anaphylaktischer Schock). Da beim Sommerekzem allein das Vorhandensein das Allergens die Reaktion auslöst, können die Symptome durch das Wegnehmen des Triggers relativ einfach gelindert oder gar gestoppt werden (Funktion der Ekzemerdecke, dunkle Ställe).



Symptome


Das Krankheitsbild des Sommerekzems setzt sich zusammen aus den Prozessen der allergischen Entzündungsreaktionen und deren Folgen. Wie bereits erwähnt kommt es bei der Sofortreaktion zum Austritt von Flüssigkeit und Entzündungsmediatoren in die Zellzwischenräume. Dieser Prozess führt zur Bildung von Ödemen, Quaddeln (Urtikaria) und Pusteln, die mit einem starken Juckreiz einhergehen. Erst dieser Juckreiz führt zu dem