Todesfalle Auto - Lebensgefahr bei Hitze!


Immer wieder erreichen uns Meldungen über Fälle, bei denen Hunde in geparkten Autos qualvoll zu Tode kommen. Die Hundehalter vergessen und unterschätzen dabei meist, in welch kurzer Zeit sich das Auto auch bei verhältnismäßig niedrigen Außentemperaturen von um die 20 Grad auf extreme Innentemperaturen erhitzen kann. Dabei kommt es nicht ausschließlich auf die Umgebungstemperatur, sondern in erster Linie auf die individuelle Strahlungsintensität der auftreffenden Sonnenstrahlen an. Die kurzwelligen Strahlen werden dabei vom Autoinneren absorbiert, der Innenraum erwärmt sich deutlich und sendet die langwelligen Stahlen zurück in die Umwelt. Dieses Phänomen ist auch unter dem Begriff des Glashauseffekts bekannt. Hinzu kommt, dass Hunde deutlich kreislaufinstabiler sind als wir Menschen und ihr Körper der Hitze weniger Regulationsmechanismen entgegensetzen kann. Unser Wärmeempfinden kann daher niemals als Maßstab zur Risikobewertung für den Hund dienen.


Thermoregulation beim Hund - wie funktioniert sie?


Unter dem Begriff der Thermoregulation beim Hund ist die mehr oder weniger ausgeprägte Unabhängigkeit der Temperatur eines Organismus von der Umgebung zu verstehen. Jeder Körper verfügt grundsätzlich über mehrere Regulationsmechanismen, die einzig dem Zweck dienen die Körperkerntemperatur innerhalb eines bestimmten, eng begrenzten Rahmen zu halten. Wie fast alle Säugetiere gehören auch Hunde zu den sogenannten homöothermen Tieren, d.h. dass sie ihre Körpertemperatur auf einem konstant gleichwarmen Niveau halten und in engen Grenzen regulieren können und müssen (im Gegensatz zu den wechselwarmen, poikilothermen Tieren - Amphibien, Reptilien). Der Begriff der Körpertemperatur ist eigentlich sehr ungenau. Gemeint ist meist die Körperkerntemperatur, d.h. die Temperatur des Körperkerns. Der Körperkern ist abzugrenzen von der Körperschale. Der Kern umfasst vor Allem die besonders stoffwechselaktiven, viszeralen Bereiche von Rumpf und Kopf, also das Innere des Thorax, Abdomens und des Schädels. Dennoch finden sich auch hier abhängig von tages- und jahreszeitlichen Schwankungen, Umgebungssituation und Stoffwechselaktivität leichte Unterschiede. Der genaueste Wert kann über die rektale Messung ermittelt werden.


Beim Mensch liegt die physiologische Körpertemperatur zwischen 36,3 bis 37,4 Grad, beim Hund dagegen zwischen 38 und 38,5 Grad (leichte Unterschiede zwischen den Rassen sind möglich). Somit liegt die Temperatur des Hundes von Haus aus bereits etwas über der des Menschen und erreicht daher schneller die kritische Obergrenze. ​​Die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur ist für die Funktion sämtlicher Körpersysteme von essenzieller Bedeutung. Besonders die vielen enzymkatalysierten Stoffwechselreaktionen sind auf eine optimale Temperaturbilanz angewiesen. Die empfindlichen Enzyme funktionieren nur in einem sehr begrenzten Rahmen und gehen bei erhöhter Körpertemperatur extrem schnell kaputt. Die Körpertemperatur folgt einem Regelkreislauf, bei dem der Organismus ständig versucht den aktuellen Ist-Wert einem vorgegebenen Soll-Wert anzugleichen. Verantwortlich für die Temperaturregulation sind viele Körperbereiche, besonders stark involviert sind jedoch die verschiedensten Bereiche des Nervensystems, die einer hierarchischen Struktur folgen (Peripheres Nervensystem, zentrales Nervensystem – Gehirn, Rückenmark, Hypothalamus, etc.).


Steigt nun die Körpertemperatur des Menschen ungehemmt an, kommt es zu diversen Symptomen. Ab einer Temperatur von etwa 38,1 Grad spricht man von leichtem Fieber. Sehr hohes Fieber (hyperpyretisches Fieber) ab 40 bis 42 Grad führt zu kognitiven Ausfallerscheinungen und Fieberkrämpfen. Ab einer Temperatur von 42 Grad droht akutes Kreislaufversagen. Steigt die Temperatur weiter auf bis zu 44 Grad kommt es zur Denaturierung des Proteine/Enzyme und zum Tod. Die Denaturierung der körpereigenen Proteine kann mit dem Gerinnen des Eiweißes beim Frühstücksei verglichen werden. Zur Senkung der Temperatur stehen dem gesunden Organismus diverse Regulationssysteme zur Verfügung. Der wohl wichtigste und bekannteste Mechanismus ist die Schweißabsonderung, bei der die sogenannte Verdunstungskälte dem Körpers Kühlung verschafft. Hier gibt es jedoch einen entscheidenden und leider oftmals vergessenen Unterschied zum Hund. Während der Mensch über viele, am gesamten Körper verteilte Schweißdrüsen verfügt, besitzt der Hund nur wenige Schweißdrüsen, die sich fast ausschließlich im unteren Pfoten- bzw. Ballenbereich und im Bereich des Nasenspiegels ansiedeln. Diese sind nicht nur weniger leistungsfähig als die menschlichen Schweißdrüsen, sondern erfüllen primär auch andere Funktionen. Während die menschlichen Schweißdrüsen der Erzeugung von Verdunstungskälte dienen, sind die hündischen Schweißdrüsen mehr zur Absonderung von Duft- und Markierungsstoffen gedacht und spielen somit in der Regulierung der Körpertemperatur eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch nutzt auch der Hund den Mechanismus der Verdunstungskälte. Beim Hecheln verdunstet Nasendrüsensekret, dabei wird Luft über die Nase eingesogen und den Mund abgeatmet. Im Gegensatz zum Schwitzen verliert der Körper hierdurch kein Salz. Dafür besteht jedoch die Gefahr einer respiratorischen Alkalose (erhöhte Sauerstoffaufnahme und erhöhte CO2 Abgabe). Dieses Kühlsystem ist zwar sinnvoll, gerät jedoch bei steigender und anhaltend hoher Temperatur relativ schnell an seine Grenzen.


Die kritischen Obergrenzen bzw. die Grenze zwischen Leben und Tod ist bei Mensch und Hund nahezu identisch. Wie bereits erwähnt erreicht der Hund diese Grenze jedoch deutlich schneller und ungebremster als der Mensch. Ab einer Temperatur von ca. 40-41 Grad gerät der Kreislauf durcheinander, die Blutgefäße weiten sich, das Bewusstsein trübt sich, Herz- und Atemfrequenz sind maximal beschleunigt, die Organe beginnen nach und nach zu versagen, Angst breitet sich aus. Im weiteren Verlauf kommt es aufgrund des akuten Sauerstoffmangels zu Hirnschwellungen, inneren Blutungen und Herz-Kreislauf-Versagen. Ab 42 Grad droht der finale Kollaps und ein tödliches Koma. Kein Hundehalter wünscht seinem Liebling einen solch tragischen Tod. Vorsorge ist daher immer besser als Nachsorge!

Wie erkennen Sie einen drohenden Hitzschlag beim Hund?


Bereits bei einer Außentemperatur von 20 Grad kann die Temperatur im Wagen innerhalb von 60 Minuten auf knappe 50 Grad ansteigen. Bei sommerlichen 30 Grad steigt die Temperatur ungleich schneller, so dass es bereits nach 10 Minuten zu einem Temperaturanstieg auf rund 40 Grad kommen kann. Ist der Hund dieser sengenden Hitze ausgeliefert steigt das Risiko einen Hitzschlag zu erleiden mit jeder Minute. Der Hitzschlag ist einer der gefährlichsten Hitzeschäden und stellt einen absoluten medizinischen Notfal