Atemwegserkrankungen beim Pferd: Husten, Bronchitis, Dämpfigkeit und Co.


Husten, COB, RAO und IAD – Begriffe, die meist in Zusammenhang mit chronischem Husten und Lungenerkrankungen fallen. Doch was steckt eigentlich dahinter? Und warum spielen Erkrankungen des Atemtrakts beim Pferd eine so große Rolle?


Husten und chronische Atemwegserkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen unserer geliebten Vierbeiner. Studien zufolge leidet fast jedes vierte Pferd an akutem oder chronischem Husten, Tendenz steigend. Doch warum gelingt es uns nicht effektiv vorzubeugen und warum ist die Heilung oft so langwierig? Um die Mechanismen der häufigsten Lungenprobleme besser zu verstehen, sollten wir uns zunächst einen kurzen Überblick über die Anatomie und Physiologie des Atmungstraktes verschaffen. Außerdem gibt es einige entscheidende Unterschiede zu uns Menschen, die eine mögliche Erklärung dafür sein könnten, warum Atemwegserkrankungen häufig zu spät oder falsch behandelt werden.

Husten beim Pferd ist immer ein Warnsignal, bei dem sofort die Alarmglocken anspringen sollten. Leider gehen wir viel zu oft von uns Menschen aus. Husten ist beim Mensch eher ein Frühsymptom und zeigt den Beginn einer Atemwegsproblematik an. Anders hingegen sieht es beim Pferd aus. Die Hustenreizschwelle beim Pferd liegt deutlich über der des Menschen und der anderer Säugetiere, das heißt, dass Husten beim Pferd eher als Spätsymptom einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung einzustufen ist. Ähnlich verhält es sich mit Nasenausfluss. Eine Ausnahme bilden Jungpferde bis zu einem Alter von etwa einem Jahr, bei denen der Schluckreflex noch nicht endgültig ausgebildet ist und daher in der Lunge entstandener Schleim nicht entsprechend abgeschluckt wird. Bei älteren Tieren jedoch ist gerade länger andauernder Nasenausfluss ein Indiz für eine mögliche Lungenerkrankung und sollte keinesfalls einfach ignoriert werden. Ein geringes „Tröpfeln“ aus der Nüster ist durchaus normal, da der Tränenkanal direkt in die untere Hälfte der Nüster (wahre Nüster) einmündet. Diese Tropfen sollten sich allerdings im Rahmen halten, sind immer wässriger Natur und niemals eitrig oder schleimig.

Viele Pferdehalter schätzen die Bedeutung und die Dringlichkeit einer Behandlung bei Husten falsch ein, so dass Lungenerkrankungen häufig verschleppt und sehr spät behandelt werden. Die Probleme sind daher oft eher chronischer Natur. Ein akuter Infekt kann in der Regel durch ein gesundes Immunsystem bekämpft werden. Erst wenn genug immunschwächende Faktoren hinzukommen, kommt es zu Komplikationen in der Heilungsphase und das Risiko chronischer Verlaufsformen steigt. Ziel sollte es natürlich sein, Atemwegserkrankungen möglichst zu vermeiden und eine erfolgreiche Prophylaxe zu erreichen. Generell sollten Atemwegserkrankung immer in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt und/oder erfahrenen Therapeuten behandelt werden, um die Gefahr einer chronischen Bronchitis oder Folgeerkrankungen zu minimieren.

Im Vergleich zum Menschen hat das Pferd ein extrem großes Lungenvolumen. Das komplette Lungenvolumen eines Pferdes beträgt zwischen 40-55 Liter. In Ruhephasen hat das Pferd eine Atemfrequenz von 8 bis 16 Atemzügen pro Minute, wobei bei jedem Atemzug 6 bis 8 Liter geatmet werden. Hochgerechnet macht das an einem Tag rund 70.000 Liter. Bei maximaler Anstrengung kann die Atemfrequenz auf 120-150 Atemzüge steigen. Zu beachten ist jedoch, dass die Atemzüge im Galopp an die Frequenz der Galoppsprünge gekoppelt ist und somit die Sauerstoffversorgung gerade im Galopptraining mit einem enormen Energieaufwand verbunden ist. Um eine maximale Lungenbelüftung zu erreichen, reicht das normale Training kaum aus. In der Ruhe hingegen hat das Pferd nur eine sehr geringe Ventilation, d.h. nur ein kleiner Bereich der Lungenkapaziät wird auch tatsächlich genutzt. Neben all der Hochleistungen, zu der der Atemtrakt fähig ist, ist das Organsystem zugleich sehr empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen und Infektionen. Die den Atemtrakt auskleidenden Schleimhäute des Pferdes reagieren außerordentlich sensibel auf Umweltbelastungen, wie Feinstaub, Schimmelpilzsporen, etc. Weiterhin ist das Pferd im Unterschied zu uns Menschen nicht in der Lage durch den Mund, sondern ausschließlich über die Nüstern zu atmen. Leidet das Pferd an einer starken Erkältung mit Nasenausfluss, kann der Atemvorgang deutlich erschwert sein. Belasten Sie nun ihr Pferd im Training, hat es nicht die Möglichkeit einen eventuellen Luftmangel durch eine Mund-/Maulatmung auszugleichen. Es kommt dann schnell zum sogenannten „Staubsaugereffekt“, bei dem das Pferd gezwungenermaßen das eitrige Sekret in die Lunge saugen muss, um einen genügenden Luftaustausch zu erhalten. Bei Infektionserkrankungen sollte daher die Belastung bis zur völligen Ausheilung gering gehalten werden. Der Atemtrakt des Pferdes ist ein hochkomplexes Konstrukt, dass seinen Beginn in der Nüster findet. Die Nüstern setzen sich aus den sogenannten wahren (untere Hälfte) und „falschen“ Nüstern zusammen (Nasentrompete – der Knorpel der Nasentrompete kann in seltenen Fällen nach innen kollabieren und somit die Luftzufuhr blockieren bzw. deutlich einschränken. Ziehen Sie bei Problemen und auffälligen Ermüdungserscheinungen insbesondere während und nach dem Training auch diese Möglichkeit in Betracht). Die Nüstern regulieren den Luftzustrom in die weiterführenden Atemwege. Bei Kälte wird hier die Luft reduziert oder langsamer eingesogen, um eine gewisse Anwärmung der Luft vor den Bronchien zu erreichen. Weiter nimmt die Luft ihren Weg durch die Nasenhöhle mit den Nasenmuscheln, die Nasennebenhöhlen, den Rachen, die Luftsäcke, den Kehlkopf, eine sehr lange Luftröhre bis hin zu den Bronchien, die als luftleitende Anteile der Lunge in die beiden Lungenflügel münden.

Das Atmungssystem oder auch respiratorische System besteht aus den luftleitenden Atemwegen und den gasaustauschenden Abschnitten (Alveolen). Die eingeatmete Luft gelangt über die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien, die sich in immer kleinere Abschnitte verästeln (ähnlich einer Wurzel - Bronchiolen) und schließlich in kleinste, luftgefüllte Bläschen münden – die Alveolen. In den dünnen Wänden der Alveolen verlaufen unzählige kleinste Blutgefäße. Erst hier findet der eigentliche Gasaustausch statt. Der Gasaustausch umfasst in erster Linie die Aufnahme des lebenswichtigen Sauerstoffes aus der frischen Luft und dessen Abgabe ins Blut sowie den Abtransport des Abbauprodukts CO2 (Kohlenstoffdioxid) über die Ausatmung. Am Atemvorgang sind einige Muskeln beteiligt, aktiv werden hier vor allem das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln, aber auch die Brust- und Rückenmuskulatur. Sie sorgen beim Einatmen für eine Aufdehnung des Brustkorbes und somit eine passive Entfaltung der Lunge. Dabei entsteht ein Unterdruck, der die Atemluft ansaugt. Beim Ausatmen entspannen sich die Muskeln, der Brustkorb verengt sich und die Luft aus der Lunge gedrückt. Als Pferdehalter und Reiter sollte Ihnen das Zusammenspiel und Zusammenwirken der Lunge und deren beteiligten Muskelgruppen bewusst werden, da gerade bei chronischen Lungenerkrankungen (z.B. COPD) Verspannungen, spastische Verkrampfungen und schlussendlich auch Blockaden in den genannten Muskeln häufig sind. Im Umkehrschluss können natürlich auch durch fehlerhaftes Training o. Ä. verursachte Muskelverspannungen eine tiefe Atmung behindern und so wiederum Atemwegserkrankungen fördern. Bei Atemwegserkrankungen wird zwischen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege unterschieden. Die unteren und oberen Atemwege werden durc